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Anläßlich der 100-jahr Feier der Kirche in Ihlowerfehn wurde von unserem ehemaligen Pastor Johannes Bunger folgende Chronik verfasst.

Chronik der Kirchengemeinde Ihlowerfehn und Ludwigsdorf

Ihlowerfehn als Teil der Kirchengemeinde Weene

In dem kaiserlichen „Edikt wegen Urbarmachung der in unserm Fürstenthum Ostfriesland und dem Harlinger-Lande befindlichen Wüsteneyen" vom 22. Juli 1765 ist eindeutig geregelt, zu welcher Kirchengemeinde die neuen Siedler gehören sollten. Es heißt dort: ,,... daß solche neue Colonisten bey derjenigen Kirche, wohin der Ort des Anbaues nach seiner Lage gehöret, unweigerlich als Parochiani gehalten, mithin auch bey vorkommenden Fällen an dem Genuß der Armen-Mitteln Theil haben sollen”. In Zweifelsfällen gelte die Anordnung des Kirchenkonsistoriums.

So gehörten denn die ersten Bewohner von Ihlowerfehn kirchlich nach Weene, denn von Hüllenerfehn her war wohl am ehesten an die neue Siedlung heranzukommen, wenn man nicht den (näheren) Weg durch den Ihlower Forst nahm. Eine Rolle hat sicherlich auch gespielt, dass die Gründer von Ihlowerfehn aus der Kirchengemeinde Weene kamen und die ersten Siedler sich zum lutherischen Glauben bekannten. Von der Entfernung lag das reformierte Simonswolde näher. Näher als Weene lag auch Bangstede, doch dorthin führte noch kein Weg. So war denn der Weg durch den Ihlower Forst, dessen Benutzung schon im Erbpachtvertrag mit den Fehngründern mit allerlei Auflagen belegt worden war und der im letzten Abschnitt zwischen dem Forst und Weene alles andere als ein Spazierweg war, der Kirchweg für die ersten Bewohner von Ihlowerfehn.

Diesen Weg wurden die kleinen Kinder zur Taufe getragen, dies war der letzte Weg der Verstorbenen.
Leider ist von dem Taufregister in Weene aus der Zeit nur eine Abschrift vorhanden, aus der zwar alle Namen der Getauften, nicht aber der Wohnort hervorgeht.

Ein Stück bewegtes Leben begegnet uns, wenn wir das Verzeichnis der Begrabenen durchgehen. In den ersten 10 Jahren wuchs die Ortschaft Ihlowerfehn auf 13 Familien mit 110 Personen an. Aus der Zeit sind im Kirchenbuch in Weene 18 Beerdigungen aus Ihlowerfehn vermerkt. Es sind fast nur Kinder, einige Jugendliche sind darunter. Manche Familiennamen kehren öfters wieder. Nur zwei Menschen starben in hohem Alter. Sie waren wohl mit den Familien ihrer Kinder nach Ihlowerfehn gezogen.

Da die Siedler aus verschiedenen Dörfern kamen, mussten die jungen Leute nicht in den Nachbardörfern auf Brautschau gehen. Die Kirchenbücher berichten uns aus dieser Zeit von zwei Trauungen, bei denen jeweils beide Partner aus Ihlowerfehn waren. 1783 heirateten Gerd Garrelts und Tjebbend Iggen. Sie wohnten bis zu ihrem Tode in Ihlowerfehn. 1788 heirateten Garrelt Iggen und Antje Willms. Wie bescheiden mag damals eine Hochzeit gewesen sein! Und doch waren es Ereignisse in einem Ort, der anfing, eigenständig zu werden.

Ihlowerfehn als Teil der Kirchengemeinde Bangstede

Der Kirchweg nach Weene war weit und beschwerlich. Im Winter passierte es oft, dass der Richtweg durch den Forst und über den so genannten Strohdebusch, der durch Niederungen führte, so nass und morastig war, dass Kirchgänger kurz vor dem Gotteshaus wieder umkehren mussten.
Im Jahre 1788 wurden Einwohner von Ihlowerfehn deshalb beim Kirchenkonsistorium in Aurich vorstellig. Sie bitten ,,... zu der ihnen am nächsten gelegenen Kirche zu Bangstede eingepfarrt zu werden ... wegen der gar zu großen Entfernung zu der Kirche zu Weene und der schlechten Wege dahin", die zur Folge hätten, dass Gottesdienstbesucher „nicht in würdiger Weise dort erscheinen konnten".

Nachdem die Kirchengemeinde Bangstede einer Einpfarrung zugestimmt und sich bereit erklärt hatte, den Ihlowerfehnern die benötigten Grabstellen auf dem Friedhof und Sitzplätze in der Kirche zukommen zu lassen, erklärte das Konsistorium die Einwohner von Ihlowerfehn „als Eingepfarrte zu der Kirche zu Bangstede". Die Urkunde darüber, die sich im Archiv der Kirchengemeinde Ihlow befindet, ist bezeichnet als „Decretum, die Einpfarrung des Ihlower Fehns nach Bangstede betreffend". Ausgestellt wurde diese Urkunde am 24. Juni 1790.
Bereits am 24. November 1788 hatten Bewohner von Ihlowerfehn mit Bewilligung des „hochehrwürdigsten Consistoriums" insgesamt 72 Grabstellen auf der Nordseite des Bangsteder Kirchhofes kaufen können. Die Kaufpreise mussten um Michaelis 1789 in einer Summe bezahlt werden „und zwar in gutem Golde".
Anfang 1794 verkauften die Bangsteder Interessenten den Ihlowerfehnern Sitzplätze auf dem Orgelboden. 1799 konnten nördlich und östlich der Kirche weitere Grabstellen und im Kirchenschiff Sitzplätze gekauft werden, wobei die Bänke von den Käufern selbst angefertigt oder beim Handwerker bestellt werden mussten. Im Archiv der Kirchengemeinde Ihlow liegt ein Lageplan des Kirchhofes und der Kirche von Bangstede, die ein Schullehrer Baumfalk
aus Bangstede angefertigt hat. Er war auch der „Schreiber" der oben erwähnten Verkäufe. Durch ihre Unterschrift, die die Käufer bei der Bezahlung unter das Schriftstück setzten, quittierten sie selbst Kauf und Bezahlung.

Für Ihlowerfehn wurde in Bangstede ein eigenes Kirchenbuch geführt. Bereits am 3. September 1790 wurde das erste Ihlowerfehner Kind in Bangstede getauft.

Beim Durchsehen der Daten der Beerdigten fällt immer wieder auf, wie viele Kinder starben. Sehr oft ist als Todesursache Schwindsucht vermerkt. Die Namen der Abendsmahlsgäste aus Ihlowerfehn sind erst seit 1791 notiert.

Als Käufer von Grabstellen und Sitzplätzen in der Kirche und dann immer wieder unter den Abendsmahlgästen begegnet dem Leser auch der Name Lammert Harms Aden. Er war einer der Mitbegründer (Obererbpächter) von Ihlowerfehn. Sein Tod ist unter dem 9. Dezember 1806 im Kirchenbuch mit fast einer halben Seite vermerkt. L. H. Aden starb im 58. Lebensjahr. Er wurde in Weene beerdigt.

Der Weg zur Bangsteder Kirche führte über das Moor. Anfangs wird nicht einmal ein richtiger Weg vorhanden gewesen sein. Oft war es schwierig, trockenen Fusses und einigermaßen sauber zur Kirche zu kommen. Noch 1870 wird berichtet, dass man nur am Tage oder in hellen Mondnächten sicher von einem Ort zum anderen kommen konnte. Ein Leichenzug über den Totenweg war immer ein schwieriges Unternehmen, da der Weg voller tiefer Löcher war. Die Unzufriedenheit über den schlechten Kirchweg nahm im Lauf der Jahrzehnte zu.

Ludwigsdorf als Teil der Kirchengemeinde Weene

Das Gründungsjahr von Ludwigsdorf ist 1793. Die kirchliche Zugehörigkeit der ersten Bewohner von Ludwigsdorf war offensichtlich trotz der Regelungen in dem königlichen Urbarmachungsedikt von 1765 nicht eindeutig geklärt.

Es ist anzunehmen, dass sich die Kolonisten der neuen Siedlung anfangs zu den Kirchengemeinden in der Nachbarschaft hielten, aus denen sie stammten. Das wären vor allem Weene, wozu der Gutsbezirk Ihlow gehörte, Bangstede, wozu Ihlowerfehn inzwischen kirchlich gehörte, und Westerende.

In einem besonderen Kirchenbuch in Weene finden sich die Namen der ersten Ludwigsdorfer, die in Weene zum Abendmahl waren. Dies sind Pfingsten 1806 der erste Ludwigsdorfer Colonist Andreas Röpkes und dessen Frau Luise Margarethe Berends und Ostern 1807 Jantje Andreessen und Anna Catharina Andreessen.

Schon vorher sind Taufen berichtet: Das erste Kind, das geboren wurde, war eine Tochter von Andreas und Luise Röpkes (23. März 1801). Zählt man die im so genannten Gutsbezirk geborenen Kinder mit, waren es in den folgenden drei Jahren jeweils ein Kind. 1807 waren es fünf Kinder, die geboren wurden, von denen eines 10 Tage später starb.

Die erste Trauung fand am 23. Dezember 1807 statt. Es waren der vormalige Müller in Ochtelbur Harm Gastmann und Adelheit Gerdes Lottmann aus Arie.
1805 starb das Kind Gerhard der Eltern Ecke A. Flesner und C. F. Berends.
Der erste Sterbefall eines Erwachsenen war am 7. Juli 1810. Harm Lorents Berents, Förster zu Ihlow, starb im Alter von 43 Jahren. 1812 starb Adelheit G. Lottmann, Ehefrau von Harm Gastmann (siehe oben), im Alter von 31 Jahren.

Diese ersten Eintragungen in Weener Kirchenbüchern zeigen, wohin sich die ersten Ludwigsdorfer orientierten.

Johann de Witt berichtet in seiner Dorfchronik „200 Jahre Moorkolonie Ludwigsdorf", dass 1827 in Ludwigsdorf 145 Personen wohnten. Er zitiert aus einem Antrag des Amtes Aurich an die Landdrostei aus dem Jahre 1830, in dem es um die Errichtung einer Armenkasse geht: „Da die Kolonisten aus Ludwigsdorf noch nicht nach Weene eingepfarrt sind, also auch nicht aus der Armenkasse dieses Kirchspiels Unterstützung erhalten können, bittet das Amt Aurich die Landdrostei um Unterstützung für die Dürftigen von Ludwigsdorf ..."

Als Ludwigsdorf dann eine eigene Armenkasse bekam und keine Gefahr mehr bestand, dass die Armenkasse in Weene durch Bedürftige Ludwigsdorfer belastet werden konnte, stand einer Einpfarrung nach Weene nichts mehr im Wege. Sie erfolgte am 8. September 1836 zu den gleichen Bedingungen wie Lübbertsfehn und Hüllenerfehn, die auch über eigene Armenkassen verfügten.
Die Arbeit der methodistischen Kirche in Ihlowerfehn
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war die Bevölkerungszahl von Ihlowerfehn so angestiegen, dass sie bereits zwei Drittel der Gemeindeglieder der Kirchengemeinde Bangstede stellten. Bedingt durch die schlechten Wege fühlten sie sich jedoch kirchlich vernachlässigt.
Auch auf anderen ostfriesischen Fehnen war es ähnlich. Die methodistische Kirche erkannte diese Tatsache und begann, sich um Fehngemeinden zu kümmern. Ende der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts geschah das von Seiten der Auricher Methodistengemeinde in Ihlowerfehn.
An der Wieke auf dem Grundstück mit der Hausnummer 62 (Wilm Gelmers, heute Gerd Franken) wurde sogar eine Kapelle gebaut. Sie war ein einfaches Gebäude. Eine Fahnenstange stand daneben. Wenn der Methodistenprediger aus Aurich kam, wurde eine schwarzweiß-rote Fahne gehisst. Die Menschen wussten, jetzt ist bald Gottesdienst.
Zeitweilig waren diese Gottesdienste sehr gut besucht. Ältere Gemeindeglieder haben mir noch erzählt, dass ihre Eltern an den Gottesdiensten und sie selbst an den Kindergottesdiensten (man nannte sie Sonntagsschule) teilgenommen haben. Leider ist nicht mehr festzustellen, ob damals ihlowerfehner zur methodistischen Kirche übergetreten sind.,
In der Zeit der besonderen Aktivität der methodistischen Kirche in Ihlowerfehn tauchte zum ersten Male der Gedanke auf, mit dem benachbarten Ludwigsdorf eine eigene Kirchengemeinde zu bilden.

Das erwähnte Kapellengebäude war zuletzt von Wilm Gelmers bewohnt. Es wurde im Frühjahr 1901 abgebrochen.

Die Gründung der Kirchengemeinde Ihlow

In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der finanzielle Beitrag der Ihlowerfehner zu den Bangsteder Kirchenlasten zu einem Streitpunkt. Außerdem hielten die Methodisten ja Gottesdienste ab.
Der damalige Lehrer Fokken (1868 - 1875 in Ihlowerfehn) und ein Landwirt Balzen setzten sich für die Gründung einer eigenen Kirchengemeinde ein, zu der auch Ludwigsdorf gehören sollte. Doch die Zeit dafür war noch nicht gekommen. Fast 30 Jahre sollte es noch dauern. Dann nahm die Angelegenheit konkrete Formen an.

Auf der 16. ordentlichen Bezirkssynode der 1. lutherischen Inspektion (= Kirchenkreis Aurich) am 29. Juni 1898 kann der Vorsitzende, Superintendent Elster, berichten, „daß die Gemeinde Ihlowerfehn seit der letzten Versammlung der Synode aus eigenstem Drange' die Erhebung zu einer selbstständigen Kirchengemeinde ins Auge gefasst und sich zur Übernahme aller zu diesem Zwecke von dem königlichen Landeskonsistorium ihr zugemuteten einmaligen und ständigen Leistungen bereit erklärt habe und dass man ein auf der Grenze der beiden politischen Gemeinden Ihlowerfehn und Ludwigsdorf sehr schön am Rande des Waldes gelegenes fiskalisches Grundstück für die kirchlichen Gebäude in Aussicht genommen habe" (Zitat aus der Chronik der Kirchengemeinde Ihlow). Die Synode beschloss, den Vorsitzenden zu beauftragen, das Konsistorium um eine Beschleunigung der Gemeindegründung zu bitten, damit bereits im Herbst 1898, wenn die Schiffe auflegten und der Konfirmandenunterricht beginne, ein Pfarrkollaborator einziehen könne (Pfarrkollaborator = Hilfsgeistlicher, Pastor auf seiner ersten Pfarrstelle nach der Ordination). Da zur Zeit weder Pfarr- noch Gotteshaus vorhanden seien, könnten die Gottesdienste in den beiden Schulen abgehalten werden.

Bald nach der Synode fand ein Besuch durch eine offizielle Kirchenkommission statt. Sie sollte an Ort und Stelle die Lage und die Verhältnisse prüfen. Die Kommission zeigte sich von dem starken Bedürfnis einer „reichlicheren Versorgung mit den kirchlichen Gnadenmitteln" und dem Wunsch nach einer „ausgiebigeren Seelsorge" beeindruckt. Die Gemeinde Ihlowerfehn erklärt sich trotz ihres geringen Steuereinkommens bereit, zunächst das Grundgehalt eines Pfarrkollaborators in Höhe von 1.800 Mark jährlich zu übernehmen. Daraufhin stellte die Synode die Bewilligung aller übrigen Mittel aus anderen Fonds in Aussicht, „damit demnächst ein Pfarrhaus mit Betsaal gebaut und ein Gottesacker angelegt werden könne".

Am 19. Dezember 1898 - am Montag vor Weihnachten - konnte dann, nachdem er am Vortage in Aurich durch Generalsuperintendent Baring ordiniert worden war, Pastor Hermannus Siefkes aus Loga seinen Einzug in Ihlow halten und seinen Dienst als Pfarrkollaborator aufnehmen.

Pastor Siefkes berichtet in der Chronik der Kirchengemeinde von seinem Einzug: „Dieser vollzog sich mit dem gewöhnlichen Gepräge, neu war, daß sich in dem Zuge eine Anzahl fahnentragender Radfahrer mit buntbekränzten Rädern befand, und originell war, daß man, weil in der Gemeinde sonst kein geeigneter Wagen vorhanden war, den großen Omnibus, der den Verkehr zwischen Simonswolde und Aurich vermittelte, gebrauchte."
Die Freude über einen eigenen Seelsorger war sehr groß. Die Gottesdienste sollten in 14-tägigem Wechsel jeweils am Sonntag Vormittag in den Schulen von Ihlowerfehn und Ludwigsdorf stattfinden. Nachmittags sollte dann in dem Ort, in dem kein Gottesdienst stattgefunden hatte, Kinderlehre in der Schule sein. Die Beteiligung an den Gottesdiensten war ungewöhnlich stark. Bei den ersten Gottesdiensten an den Weihnachtsfeiertagen reichte der Platz in den Schulen bei weitem nicht aus. Pastor Siefkes entschloss sich daraufhin, sonntags zweimal Gottesdienst zu halten, vormittags in Ihlowerfehn und nachmittags in Ludwigsdorf bzw.. umgekehrt. Der Methodistenprediger ließ sofort die Gottesdienste an den Sonntagen ausfallen, an denen Pastor Siefkes am Vormittag in Ihlowerfehn predigte. Die Tatsache, nun von einem eigenen Pastor am Ort betreut zu werden, führte zu einer regen Teilnahme am kirchlichen Leben und bei vielen auch zu persönlichem Einsatz und Opfern für eine eigene Kirchengemeinde.


Offiziell gehörten die Gemeindeglieder von Ihlowerfehn noch zu Bangstede und die von Ludwigsdorf zu Weene. Denn mit dem neuen Pastor war die neue Kirchengemeinde noch nicht wirklich errichtet. Das geschah erst mit der Veröffentlichung der Errichtungsurkunde im kirchlichen Amtsblatt am 22. Juni 1899. Sie hat folgenden Wortlaut:

Bekanntmachung des Königlichen Konsistoriums zu Aurich, betreffend Errichtungsurkunde der Parochie Ihlow, Inspektion Aurich Aurich, den 6. Juni 1899
- Rr. 4251 -
Nachstehende Errichtungsurkunde:
Mit Genehmigung des Herrn Ministers der geistlichen Angelegenheit wird nach Anhörung aller Beteiligten Folgendes bestimmt:
1. Die Ortschaften Ihlowerfehn und Ludwigsdorf und der Gutsbezirk Ihlow werden unter Aufhebung ihrer bisherigen Verbindung mit den Parochien Bangstede resp.. Weene miteinander zu einer Kirchengemeinde Ihlow vereinigt, die als Tochtergemeinde der Kirchengemeinde Riepe angeschlossen wird.
2.    In der Kirchengemeinde Ihlow wird eine ständige Pfarrkollaboratur errichtet.
3. Die Kirchengemeinde Ihlow hat vermögensrechtliche Selbständigkeit und wird durch einen Kirchenvorstand vertreten, in welchen der Pfarrkollaborator als Pfarrgeistlicher eintritt.
4. Diese Urkunde tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft. Aurich, den 24. Mai 1899    Aurich, den 1. Juni 1899
Königliches Konsistorium    Königliche Regierung
(L. S.) gez.. Scheffer    (L. S.) gez.. Picht

wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht.

Königliches Konsistorium Scheffer


Am 24. Juni 1899 wurde eine Gemeindeversammlung einberufen, in der vorgeschlagen wurde, dass sechs Kirchenvorsteher gewählt werden sollten, vier aus Ihlowerfehn und zwei aus Ludwigsdorf. Das entsprach in etwa dem Verhältnis der Einwohnerzahlen der beiden Orte (Ihlowerfehn hatte damals 701, Ludwigsdorf 327 Einwohner).

Die Wahl fand am 11. September statt. Aus Ihlowerfehn gehörten dem ersten Kirchenvorstand an: Tjark Franken, Jakob Kuhlmann, Hinrich Gerdes und Lehrer H. Hinrichs. Aus Ludwigsdorf kamen Klaas Herrmannssen und Heye Tj. Franken. Nachdem sie am 24. September feierlich in ihr Amt eingeführt worden waren, fand schon am 25. September die erste Sitzung statt. Sie wurde in der „Upkamer" des alten Kompaniehauses, Ihlowerfehn 57, in dem Landwirt Johann de Berg wohnte, abgehalten. Dort wohnte Pastor Siefkes in den Jahren bis zur Fertigstellung des Pfarrhauses.

Zu den ersten Aufgaben des Kirchenvorstandes zählte die finanzielle Losbindung von den bisherigen Pfarrgemeinden Weene und Bangstede. Die Ablösung von Weene bot keine Schwierigkeit. Dagegen bestand der Kirchenvorstand von Bangstede weiterhin auf die Zahlung der sogenannten Michaelisgefälle. Bangstede war auch gegen die Abtrennung von Ihlowerfehn gewesen. Im Synodalprotokoll heißt es: „Weil der Kirchenvorstand Bangstede sich gegen die Lostrennung Ihlowerfehns sträubte, hat der Kirchenvorstand Riepe die neue Kirchengemeinde als Tochter angenommen. Es hätte ja wohl nahe gelegen, Weene um diesen Liebesdienst zu bitten, das das ihm angegliederte Ludwigsdorf zwar schmerzlich, aber doch voller Frieden ziehen ließ. Aber weil die neue Gemeinde wegen der größeren Seelenzahl in Ihlowerfehn doch der 1. Inspektion angehören
sollte, ist also verfahren." Weene gehörte nämlich einer anderen Inspektion an (später: Kirchenkreis Aurich-Oldendorf).

Erste Eintragungen in den Ihlower Kirchenbüchern

Die Ihlower Kirchenbücher beginnen am 1. Januar 1900. Für die Taufen ist allerdings ein Verzeichnis vorhanden, das mit dem 26. Dezember 1898 beginnt.

Die ersten Taufen fanden schon am 2. Weihnachtstag des Jahres 1898 statt. Es waren Etta Magreta Mühlenbrook aus Ludwigsdorf und Täte Therese Saathoff aus Ihlowerfehn. Leider ist nicht vermerkt, in welcher Schule die Kinder getauft wurden. Die ersten Taufen in der neu erbauten Kirche waren am Sonntag nach der Einweihung, am 16. Februar 1902. Dirk Wilken de Buhr, Ihlowerfehn, und Hilke Janssen Saathoff, Ihlowerfehn, wurden getauft.

Als erste Trauung ist aufgezeichnet: Jürgen Hinrichs Dieken, Ludwigsdorf, und Jantje Weber, Ludwigsdorf, sie wurden am 20. Januar 1900 getraut.
Wo diese Trauung stattfand, ist ebenfalls nicht vermerkt.
Die erste Trauung in der Ihlower Kirche fand am 15. Februar 1902 statt: Claas Janshen Müller, Riepe, und Foelke Hinrichs, Bangstede (die Brauteltern wohnten in Ihlowerfehn).

Die ersten Beerdigungen, die Pastor Siefkes zu halten hatte, fanden noch in Bangstede und Weene statt. Die erste Beerdigung auf dem Friedhof in Ihlowerfehn ist im folgenden Abschnitt erwähnt.

Die Errichtung des Friedhofs

Neben den finanziellen Fragen beschäftigte sich der Kirchenvorstand bald mit der Planung für den Bau der Kirche und des Pfarrhauses und der Errichtung eines Friedhofes.

Bereits im März 1899 war der Kaufvertrag zwischen der königlichen Regierung und dem Landes-Konsistorium über das bereits erwähnte Grundstück abgeschlossen worden. Der Kaufpreis betrug 2.165 Mark. Es sollte ausdrücklich nur zur Errichtung eines Betsaales, eines Pfarrhauses und eines Friedhofes dienen.

Im Herbst 1900 wurde mit der Anlage des Friedhofes auf dem nordwestlichen Teil des Grundstücks begonnen. Die jetzige PlaggefelderStraße durchschnitt von Anfang an das Grundstück der Kirchengemeinde. Bewusst wurde geplant, dass der Hauptweg des Friedhofes einmal eine gerade Linie mit dem Mittelgang der Kirche bilden sollte.

Erwähnenswert ist, dass auf Bitten von Pastor Siefkes der Graf Erhard von Wedel-Gödens zu Evenburg (die Evenburg liegt bei Leer) zum Schmuck des Friedhofes der Kirchengemeinde zwei Wagenladungen Bäume und Büsche schenkte. Hierbei spielte wohl eine Rolle, dass der Vater von Pastor Siefkes seit 1872 eine Mühle des Grafen gepachtet hatte.

Etwa 3/a der in der Gemeinde vorhandenen Haushaltungen kauften sogleich Grabplätze auf dem neuen Friedhof, obwohl die meisten Familien noch Grabplätze in Bangstede oder Weene hatten.

Als erster wurde ein junger Ehemann, Jan Christophers Janßen, am 29. Dezember 1900 auf dem neuen Friedhof begraben. Er wurde 29 Jahre, 7 Monate und 20 Tage alt.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde ein Ehrenmal für die Gefallenen errichtet. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es durch Gedenksteine mit den Namen der im 2. Weltkrieg Gefallenen und Vermissten ergänzt und an der südwestlichen Seite des Friedhofes neu errichtet. Auch die Namen der im 1. Weltkrieg Gefallenen wurden auf einem dazu passenden Stein festgehalten. Auf den Gedenksteinen stehen die Namen von 30 Gefallenen des 1. Weltkrieges und von 107 Gefallenen und Vermissten des 2. Weltkrieges.
Der Friedhof ist mehrmals erweitert worden, zuletzt in den 1960er Jahren. Anfang der 1970er Jahre wurden alle Wege des Friedhofs mit dunklen Platten belegt. Dadurch hat die ganze Anlage, die immer sehr gepflegt ist, in ihrem äußeren Erscheinungsbild sehr gewonnen.

Kirch- und Pfarrhausbau

In den Akten über die Verhandlungen mit den Kirchenbehörden ist zuerst immer von einem Betsaal und einer Pfarrwohnung die Rede. Bereits am 23. Juni 1900 hatte Bauunternehmer Berger, Aurich, eine komplette Zeichnung eines „Betsaales mit Pfarrwohnung" vorgelegt.

Der Betsaal sollte etwa an der Stelle der jetzigen Kirche errichtet werden, als ein schlichtes Gebäude mit einer etwas kleineren Grundfläche als die heutige Kirche. An der Ostseite (Gemeindehausseite) sollte im rechten Winkel dazu die Pfarrwohnung angebaut werden. Ein Turm war nicht vorgesehen, nur ein kleiner Dachreiter mit einer
Glocke. Der Kostenvoranschlag für den ganzen Komplex nennt die Summe von 23.000 Mark.

Die Gemeinde war enttäuscht, als bekannt wurde, dass sie nur einen Betsaal bekommen sollte. Sie hatte gehofft, dass der Wunsch nach einer „ordentlichen Kirche mit Turm" in Erfüllung gehen würde. Auch der Kirchenvorstand war entschlossen, alles dafür zu tun. Bei einem Besuch des Präsidenten des Landeskonsistoriums und des Präsidenten des Auricher Konsistoriums am 29. Juni 1900, die von anderen Mitgliedern des Konsistoriums sowie dem Superintendenten begleitet wurden, sollte die Gemeinde umgestimmt werden. Durch Fürsprache von Landrat Dr. Idenhoff und Superintendent Elster konnten aber die Herren Präsidenten bewegt werden, dass sie dann doch dem Bau einer Kirche mit Turm und einem separaten Pfarrhaus zustimmten. So kam es, dass der Konsistorial-Baumeister Professor Mohrmann aus Hannover mit einer örtlichen Besichtigung beauftragt wurde. Diese fand am 26. Juni 1900 statt und hatte den Erfolg, dass Prof. Mohrmann die Pläne für eine Kirche mit Turm und einem besonderen Pfarrhaus anfertigen ließ, die dann später auch zur Ausführung kamen.

Schwierigkeiten machte die Beschaffung der Gelder. In einer Verfügung des königlichen Konsistoriums vom 15. März 1900 hatte es noch geheißen, „wobei wir bemerken, daß königliches Landeskonsistorium sich bereit erklärt hat, dieselbe Beihilfe zum Bau eines Pfarrhauses mit Betsaal zu gewähren, wie sie der Gemeinde Ockenhausen zu teil geworden ist. "

Nach langen Verhandlungen kam dann die Verfügung (vom 12. April 1901), in der es hieß, dass das königliche Konsistorium einverstanden sei mit einem Plan für Pfarrhaus und Betsaal, wenn die vom Konsistorialbaumeister berechneten Mehrkosten in Höhe von 4.400 Mark von der Gemeinde übernommen würden.

Schließlich fasste der Kirchenvorstand den Beschluss, „den Kirchenund Pfarrhausbau nach dem von Konsistorialbaumeister aufgestellten neuen Entwurf mit einem Gesamtkostenaufwand von 30.000 Mark einschl.. der mit 1.800 Mark zu veranschlagenden Hand- und Spanndienste herzustellen".

Pastor Siefkes berichtet in der Chronik, dass der Kirchenvorstand diesen Entschluss nicht bereut habe, wenn auch die Gesamtkosten später auf 32.737 Mark anwuchsen und die Gemeinde eine Schuld von 8.115 Mark aufnehmen musste.Zur Finanzierung des Baus erhielt die Gemeinde
- vom Landeskonsistorium aus dem Kirchenfonds    4.500 Mark
- vom Landeskonsistorium aus dem Notstandsfonds    15.300 Mark
- vom Herrn Minister aus dem Klosterfonds    4.000 Mark
- vom ostfriesischen Bezirk des Evangelischen Hilfsvereins 643 Mark

Eine Kollekte, die in allen lutherischen Kirchen Ostfrieslands abgehalten wurde, erbrachte 657,17 Mark. Viele Einzelspenden von nah und fern gingen ein. In den Pfarrakten sind Quittungen für viele Spenden aus den Vereinigten Staaten aufbewahrt. Diese Gelder kamen meist von Personen, die aus Ihlowerfehn und Ludwigsdorf und aus der näheren Umgebung ausgewandert waren.

Auch Sachspenden gingen ein: Der Kirchenvorstand Wilhelmshaven stiftete die Fliesen für den Altarraum. Ebenso wurden das Kreuz auf dem Altar, die Leuchter, der Altarbehang, die Taufschale, der Taufstein und die Kanzelbekleidung gespendet, sowie drei Buntglasfenster für den Chorraum.

Aber all das reichte noch nicht. So erhielt die Gemeinde die Erlaubnis, in allen Gemeinden des Kreises Aurich eine „Hauskollekte" (= Haussammlung) durchzuführen. Die Kirchenvorsteher und eine ganze Anzahl Männer aus der Gemeinde erklärten sich bereit, in den Häusern aller Orte im Kreis Aurich vorzusprechen und um eine Spende für die Einrichtung der Kirche zu bitten. Diese Sammlung erbrachte 3.981 Mark.

Nachdem die letzten Genehmigungen erfolgt waren, die Offerten abgegeben und schließlich der Auftrag an Bauunternehmer Berger, Aurich, der auch die Moordorfer Kirche gebaut hatte, vergeben worden war, konnte endlich mit dem Bau begonnen werden.

Der Oberförster erhob zwar noch Einspruch, doch bereits am 6. August 1901 konnte die Grundsteinlegung stattfinden. Trotz strömenden Regens versammelte sich eine große Menschenmenge auf dem von den Handwerkern geschmückten Bauplatz. Nach Gesang, Gebet und Ansprache legte Bauunternehmer Berger den Grundstein. Die Urkunde wurde von Superintendent Elster verlesen, in einen Behälter getan und unter den üblichen drei Hammerschlägen in der südwestlichen Ecke der Kirche eingemauert.

Danach taten Pastor Siefkes und die sechs Kirchenvorsteher jeder die drei Hammerschläge und sagten dabei ein Gotteswort. Mit Gebet, Vaterunser, Segen und dem Gesang „Nun danket alle Gott" schloss die Feier.
Schon am 14. September 1901 konnte die Kirche, am 4. Oktober der Turm und am 7. Oktober das Pfarrhaus gerichtet werden. Der Turm erhielt zwei Glocken, die feierlich eingeholt wurden und bereits am 4. Adventssonntag 1901 ihren Ruf erklingen ließen.

Und dann war auch die Kirche fertig. Am 9. Februar 1902, dem Sonntag Estomihi, war Kirchweihe. Drei Jahre hatten die Gottesdienste in den engen Schulräumen in Ihlowerfehn und Ludwigsdorf stattgefunden. Noch einmal versammelte man sich zu einem kurzen Gottesdienst in der Ihlowerfehner Schule. Trotz des Schneewetters waren viele gekommen. Von der Schule ging es dann im feierlichen Zug zur Kirche. Die Glocken läuteten. Voran gingen Lob- und Danklieder singend ein Teil der Schulkinder mit den drei Lehrern. Es folgten die Geistlichen im Talar, diese trugen die Abendmahlsgeräte und die Taufschale. Es folgten die Ehrengäste, unter ihnen der Präsident des Konsistoriums und der Landrat, der Kirchenvorstand und schließlich viele Gemeindeglieder. Vor der Kirche fand die feierliche Schlüsselübergabe statt. Dann führte Pastor Siefkes die Festgemeinde in die Kirche, wo der Gottesdienst mit dem Gesang „Bis hierher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte" begann.

Im Ostfriesischen Sonntagsboten berichtet Pastor Siefkes: „Alle Festgäste waren erstaunt, dass es möglich gewesen sei, mit so wenigen Mitteln - die Kirche kostete, obwohl sie etwa 400 Sitzplätze hat, 17.000 Mark - ein so schönes Gotteshaus herzustellen... Vor allem aber müssen wir Gott dankbar sein, dass wir trotz unserer geringen Leistungsfähigkeit ein so schönes würdiges Gotteshaus bekommen haben." Der stellvertretende Generalsuperintendent hielt die Weiherede und vollzog die Weihe. Nach dem Gottesdienst blieben noch viele in der Kirche, um sie noch genauer anzusehen. Dabei erregte die große Altarbibel, die ein Geschenk der Kaiserin war und eine persönliche Widmung von ihr enthielt, besondere Aufmerksamkeit.

Am 29. April 1902 konnte dann auch das Pfarrhaus bezogen werden. Bereits Ende März war die Pfarrkollaboratur in eine selbstständige Pfarrstelle umgewandelt worden. So konnte Pastor Siefkes am 11. Mai 1902 in sein Amt als Pastor zu Ihlow eingeführt werden.

Noch von zwei weiteren Ereignissen im Jahre 1902 kann berichtet werden:
Am 9. Juli wurde der Taufstein, gestiftet von Antje B. Jürgens geb. Franken, einer Schwester des Kirchenvorstehers Tjark B. Franken aus Ihlowerfehn, die seit langem in Golden (Illinois) in den USA wohnhaft war, im Beisein eines Sohnes der Stifterin, der sich zu der Zeit in Deutschland aufhielt, aufgestellt.
An dieser Stelle sei noch von einer interessanten Begebenheit berichtet: Ein Urenkel der Stifterin des Taufsteines - LaVern Franken aus Golden, Illinois, USA - besuchte vor fünf Jahren die Heimat seiner Vorfahren. Er kam auch nach Ihlowerfehn in die Kirche, wusste aber nichts von dem Taufstein und war zutiefst bewegt, als er den Namen seiner Urgroßmutter dort las.
Am 30. November konnte die neue Orgel in Gebrauch genommen werden. Sie kostete damals 4.085 Mark. Es handelte sich um eine sogenannte pneumatische Orgel der Firma Furtwängler, Hannover. Leider hatten die pneumatischen Orgeln nur eine begrenzte Lebensdauer.

Der Bau eines Konfirmandensaals

Für den Konfirmandenunterricht und für Bibelstunden stellte Pastor Siefkes ein Zimmer im Pfarrhaus zur Verfügung. Das war in anderen Pfarrhäusern auch so und hatte zur Folge, dass man den Konfirmandenunterricht nach dem Raum als „Stuuv" bezeichnete. Pastor Siefkes aber benötigte den Raum für seine Familie. 1912 wurde ein Anbau am Pfarrhaus errichtet, der dann als Konfirmandensaal und als Raum für unzählige andere Veranstaltungen diente. Die Firma Berger errichtete auch diesen Bau. Die Kosten beliefen sich auf 3.000 Mark. Die Kirchenbehörde bewilligte eine Beihilfe in Höhe von 2.000 Mark. Den Rest musste die Kirchengemeinde aufbringen.

Pastor Onnen wird Pastor in Ihlow

Als Pastor Siefkes im Jahre 1913 nach Victorbur berufen wurde, wählte die Kirchengemeinde Pastor Johann Onnen aus Aurich zu ihrem neuen Seelsorger. An der feierlichen Einholung beteiligten sich etwa 30 Reiter, die eine schwarz-weiß-rote Schärpe angelegt hatten, und über 100 Radfahrer und Radfahrerinnen auf buntgeschmückten Rädern. Am 14. Dezember 1913 wurde Pastor Onnen durch Superintendent Kittel, Moordorf, in sein Amt eingeführt. Bis zu seiner Pensionierung (1953) blieb er Pastor von Ihlow.
Pastor Onnen versah seinen Dienst mit großer Treue. In seine Amtszeit fallen beide Weltkriege.
Aus der Zeit des 1. Weltkrieges
Als der 1. Weltkrieg ausbrach, ging eine tiefe Bewegung durch die Gemeinde. Die Gottesdienste waren sehr gut besucht. Oft war die Kirche ganz gefüllt. Auch viele junge Menschen gingen zum Heiligen Abendmahl. Etwa 180 junge Männer wurden im Laufe der Kriegsjahre aus dem Bereich der Kirchengemeinde eingezogen. Sobald ihre Anschrift im Feld bekannt war, bekamen sie von der Kirchengemeinde regelmäßig den Sonntagsboten zugeschickt. Schon am 28. August 1914 fiel das erste Gemeindeglied, Jakob Heiken aus Ihlowerfehn. Er wurde 22 Jahre alt. Immer wieder musste Pastor Onnen die Nachricht von dem Tod der Kriegsteilnehmer überbringen. Als endlich der Krieg zu Ende war, hofften alle, dass es nie wieder Krieg geben würde.

Der evangelische Arbeiterverein

Im Jahre 1914 wurde ein evangelischer Arbeiterverein gegründet. Der Vorsitzende war Conrad Freudenberg, die Aufgabe des Schriftführers übernahm Pastor Onnen. Die Mitglieder und Freunde trafen sich an jedem 4. Sonntag im Monat im Konfirmandensaal. Der Verein sah es als seine Aufgabe an, das Evangelium unter die Arbeiter zu tragen und sie im evangelischen Glauben zu stärken. Es wurden oft Vorträge gehalten. Mit einer Andacht und einem christlichen Lied schlossen die Zusammenkünfte. Im Jahr 1919 kaufte der christliche Arbeiterverein ein 3,27 ha großes Stück Land, das zwischen der Plaggefelder Straße und dem Forst lag. Die Kirchengemeinde lieh dem Verein dafür 8.500 Mark. Der Arbeiterverein wollte mit dieser Fläche Kriegsheimkehrern, die weder Land noch Haus hatten, zu beidem verhelfen. Für nur je 150 Mark, die die Kirchenkasse zurück bekam, konnten 8 Familien einen 46 Ar großen Bauplatz bekommen. Ein Bauplatz wurde unter 2 Interessenten geteilt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden alle christlichen Arbeitervereine zwangsweise aufgelöst.

Die Gründung des Posaunenchores

„1926 war an der Neuen Wieke in Ihlowerfehn ein Haus abgebrannt. Nachbarschaftshilfe wurde geleistet. Einige Männer waren dabei, "Steine zu klopfen", die beim Wiederaufbau verwendet werden sollten. Und dann hatten diese Männer eine Idee: „Wi mutten ok bi uns een Posaunenchor hebben. Dat wär doch wat!" - So beginnt die Geschichte des Posaunenchores. Die jungen Männer traten mit der Frage an Pastor Onnen heran, ob es n.icht möglich sei, einen Posaunen chor zu gründen. Es wurde gesammelt, jemand gab ein Darlehen, auch die ersten Bläser legten je 20 Mark in die Kasse. Dann wurden die Instrumente gekauft. Der Sekretär des Posaunenwerks kam und gab eine Woche lang täglich einige Stunden Unterricht. Es dauerte nicht lange, bis der Posaunenchor bei vielen Anlässen in der Kirchengemeinde mitwirken konnte. Anfangs gehörten dem Chor 10 Bläser an. Der erste Leiter war Onne Buß aus Ihlowerfehn, es folgten Mimke Rohden, dann wieder Onne Buß. Nach dem 2. Weltkrieg hatte zunächst Harm de Vries die Leitung, danach über vier Jahrzehnte Onno Fleßner und seit 1991 Johann de Witt. Manche Bläser blicken auf eine lange Mitgliedschaft zurück, doch auch einige jüngere Bläser gehören dem Chor an.

Neben Geburtstagsständchen bei über 85-jährigen, Mitwirkung bei Goldenen Hochzeiten und bei Adventsfeiern, Diensten im Altenheim, normalen Gottesdiensten und Festtagsgottesdiensten begleitet der Chor regelmäßig den Gemeindegesang bei den jetzt schon traditionellen Gottesdiensten am Ihlower Bootshafen (Christi Himmelfahrt) und am 1. Pfingsttag im Ihlower Wald.

Die Gründung des Krankenpflegevereins

Ebenfalls im Jahre 1926 wurde der Krankenpflegeverein Ihlow gegründet. Der Verein Simonswolde (wohl ein Krankenpflegeverein) trat an die Kirchengemeinde Ihlow heran und fragte an, ob man sich nicht zusammenschließen wolle, um gemeinsam eine Diakonissenstation zu errichten. Viele wurden damals Mitglied in dem neu gegründeten Verein, dessen Vorsitzender Pastor Onnen wurde und entrichteten ihren Beitrag. Die Tatsache, dass es sich um einen Verein handelte, half, dass die Schwesternstation die Zeit des Nationalsozialismus überdauerte. Zuerst versah Schwester Martje Voss den Dienst der Krankenpflege. Ihre Nachfolgerin ab 1931 war für viele Jahre Schwester Emma Jänicke, von der die älteren Gemeindeglieder noch heute erzählen.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kirchengemeinde Ihlow Trägerin der Schwesternstation. Es folgten weitere Diakonissen: Schwester Lina, Schwester Erika und Schwester Hannelore und ab 1972 Schwester Anni Haase aus Simonswolde. Ihr folgte 1991 Gemeindepfleger Menno Kramer aus Ihlowerfehn.
Auf Grund gesetzlicher Vorgaben des Landes Niedersachsen war Ende der 80er Jahre eine Umstrukturierung erforderlich. Größere Einheiten sollten eine bessere Versorgung gewährleisten. 1991 kam es zur Gründung der Schwestern- und Sozialstation Südbrookmerland
Ihlow, in der die Schwestern und Pfleger der kirchlichen und kommunalen Träger zusammen arbeiteten. 1995 wurde die Schwestern- und Sozialstation SüdbrookmerlandIhlow aufgelöst. Die kirchlichen Mitarbeiter arbeiten im DiakoniePflegedienst des Kirchenkreises Aurich zusammen.




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Aus der Zeit von 1950 bis 1972

50 Jahre Kirche Ihlow

Bei der Feier des 50-jährigen Kirchenjubiläums im Jahre 1952 predigten Superintendent Schütt, Aurich, und Pastor Siefkes, Dunum, ein Sohn des ersten Ihlower Pastoren.
Pastor Onnen geht in den Ruhestand
Am 18. Oktober 1953 hielt Pastor Onnen seine Abschiedspredigt. Im Alter von 69 Jahren trat er nach fast 40-jähriger Dienstzeit in Ihlow in den Ruhestand. Seinen Lebensabend verbrachte er in Aurich.
Pastor Bernhard Bruns wird Pastor in Ihlow
Die Kirchengemeinde bekam recht schnell einen Nachfolger. Von 1953 bis 1965 war der aus Sandhorst stammende Bernhard Bruns als Seelsorger in der Kirchengemeinde Ihlow tätig. In seine Amtszeit fällt die Wiederbeschaffung der großen Glocke. 1902 hatte der Turm zwei Glocken erhalten. Die große Glocke musste im 1. Weltkrieg abgeliefert werden. Erst 1936 konnte eine neue große Glocke in Betrieb genommen werden. Diese musste 1942 abgeliefert werden. Für sie konnte 1957 wieder eine neue große Glocke angeschafft werden.
In die Amtszeit von Pastor Bruns fiel auch die Änderung des Konfirmationstermins. Seit der Gründung der Kirchengemeinde waren die Konfirmationen immer zu Beginn der Passionszeit. Der Konfirmandenunterricht fand nach der Schulentlassung zwei Jahre lang im Winterhalbjahr statt. Der frühe Termin ermöglichte den jungen Männern anschließend während der Loggersaison zur See zu fahren. Ab 1954 war - wie in vielen anderen Gemeinden - am Sonntag Palmarum Konfirmation.
Immer noch war ein Teil der Pfarrwohnung Flüchtlingen vorbehalten. Wohl auch deshalb übernahm Pastor Bruns 1965 die Pfarrstelle in Stiekelkamperfehn. Als er Anfang der 70er Jahre in den Ruhestand trat und nach Aurich zog, hat er noch verschiedentlich in seiner alten Gemeinde Ihlow Gottesdienste gehalten.
Die Gründung des Gitarrenchores
1965 wurde der Gitarrenchor von Frau Gerda Kuhlmann gegründet. Sie hatte das Gitarrespielen von ihrer Freundin Erna Ferdinand gelernt und wollte die christlichen Lieder und deren Botschaft gerne weitergeben. Eine kleine Gruppe von Interessierten traf sich in ihrem Wohnzimmer um gemeinsam zu üben. Irgendwann war es dann so weit, dass die Sänger ihre Lieder im Gottesdienst vortragen konnten. Als der Chor größer wurde, verlegte man die Übungsabende in den Konfirmandensaal. Zunächst wurde unter der Leitung von Frau Kuhlmann geübt. Weitere Frauen, die den Chor im Laufe der Zeit geleitet haben, sind. Elfriede Saathoff, Erna Ferdinand, Helga Heiken und Almuth Fleßner. 1980 übernahm Gerd Kuhlmann, der Sohn der Gründerin, die Leitung des Chores.
Immer wieder gab es Anfängergruppen, in denen Jugendliche das Gitarrespielen lernten. So wurde der Gitarrenchor zu einem wichtigen Teil unserer Gemeindearbeit.
Die Auftritte des Chores hat niemand gezählt. Immer wieder hat er unsere Sonntags- und Festtagsgottesdienste bereichert und bei besonderen Anlässen musiziert und gesungen. Hinzu kommen Auftritte in anderen Kirchengemeinden und auch bei so genannten weltlichen Veranstaltungen. Immer, wenn der Chor auftritt, singt er sein christliches Liedgut, verkündigt er durch Musik und Gesang das Wort Gottes.
Pastor Günter Kuske wird Pastor in Ihlow
Nach dem Weggang von Pastor Bruns war die Pfarrstelle zweieinhalb Jahre vakant. Nachdem auch die Flüchtlingsfamilie ausgezogen war,
wurde das Pfarrhaus renoviert, unter anderem wurden eine Zentralheizung eingebaut und die Fußböden erneuert.
Von 1967 bis 1971 war dann Pastor Günter Kuske in Ihlow tätig.
In den Jahren 1969 - 1970 wurde die Kirche gründlich renoviert. Die alte Orgel wurde entfernt und neue Fenster wurden eingebaut. Außerdem erhielt die Kirche eine moderne Fußbodenheizung (Anfangs war die Kirche unbeheizbar gewesen. Die Besucher brachten im Winter Stövchen mit. Seit 1931 wurde die Kirche mit einem Ofen beheizt). Der Plan, die nicht gerade bequemen Kirchenbänke gegen Stühle auszutauschen, scheiterte am Widerstand des Kirchenvorstandes.
1971 übernahm Pastor Kuske eine Stelle an einer Berufsschule, danach war er in verschiedenen Pfarrstellen tätig.

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Aus den Jahren 1972 bis 2002

 

Pastor Johannes Bunger wird Pastor in Ihlow

Am 1. September 1971 wurde ich, Johannes Bunger, Pastor der Kirchengemeinde Ihlow. Zuvor war ich knapp anderthalb Jahre in der Kirchengemeinde Rhaude in Holterfehn tätig. Gebürtig bin ich aus Südgeorgsfehn, Kirchengemeinde Hollen. Wir wollten ohne viel Aufsehen in Ihlowerfehn ankommen. Am Abend unseres Einzugstages überraschte uns der Posaunenchor mit einem Ständchen und die Nachbarn hatten einen Einzugsbogen für die Haustür gebunden. Auch zahlreiche Gemeindeglieder waren zur Begrüßung gekommen.

Im Folgenden berichte ich über die wichtigsten Ereignisse meiner 30-jährigen Tätigkeit in der Kirchengemeinde Ihlow.
Frauenkreis
Bereits im Herbst 1971 lud meine Frau jüngere Frauen zu einem
Frauenkreis ein. An einem stürmischen Herbstabend trafen sich vier junge Frauen in unserem Esszimmer. Langsam wuchs der Kreis der Teilnehmer. Man hatte Zeit für Gespräche. Biblische Themen, Glaubensfragen und Berichte standen auf dem Programm. Manchmal kamen Gäste und berichteten oder stellten ein Thema vor. Kontakte zu anderen Frauenkreisen wurden gepflegt. Regelmäßig nahm die Gruppe am Kirchenkreis-Frauentreffen teil. Seit 1979 wurde der Weltgebetstagsgottesdienst von den Kirchengemeinden Westerende, Ochtelbur-Bangstede-Barstede, Riepe und Ihlow gemeinsam gefeiert. Alle vier Jahre fand der Weltgebetstagsgottesdienst in unserer Kirche statt. Dann lag die Vorbereitung in den Händen unseres Frauenkreises. Einmal im Jahr wurde ein Halbtagesausflug unternommen. Etwa 25 bis 30 Frauen kommen regelmäßig zu den Abenden, einige sind von Anfang an dabei.
Kindergottesdienst
Eine weitere Aufgabe, die meine Frau übernahm, war der Kindergottesdienst. Da wir beide aus unserer Heimatgemeinde 14-tägigen Kindergottesdienst kannten, hielten wir es in Ihlow ebenso und hatten damit gute Erfolge. In einer Zeit, als das Fernsehen noch keine so große Rolle spielte und das Freizeitverhalten sicher auch anders war, kamen zeitweise bis zu 70 Kinder zum Kindergottesdienst in den alten Konfirmandensaal. Zur biblischen Geschichte ging eine Gruppe oft in unser Esszimmer. Einmal wirkten im HeiligabendGottesdienst für Kinder 95 Kindergottesdienstkinder mit. In der Zeit der großen Zahlen haben wir für den Jahrgang vor dem Konfirmandenunterricht um 11 Uhr Kindergottesdienst gehalten. Immer fanden sich auch geeignete Mitarbeiter, die dann in der Lage waren, über längere Zeit den Kindergottesdienst verantwortlich zu leiten. Als Silvia Fleßner nach Abschluss ihres Studiums nicht mehr 14-tägig kommen konnte, übernahm Frau Christa WunderlichSchuirmann die Leitung des Kindergottesdienstes.

Die neue Orgel

Bei der Renovierung der Kirche war die stark reparaturbedürftige Orgel aus der Kirche entfernt worden. Lange wurde im Kirchenvorstand über die Anschaffung einer neuen Orgel beraten. P. Kuske tendierte zu einer elektronischen Kirchenorgel. Verschiedene Angebote, auch von herkömmlichen mechanischen Orgeln wurden eingeholt. Verschiedene neue Orgeln wurden angehört. Der Kirchenvorstand entschied sich für eine mechanische Orgel aus der Werkstatt von Orgelbaumeister Christian Lobback, Hamburg-Wedel. Im Sommer 1973 wurde die neue Orgel aufgebaut. Sie umfasst sechs Register mit insgesamt 448 Pfeifen und ist eine solide Handwerksarbeit. Sie kostete 29.000 DM. Die gesamte Summe wurde von der Kirchengemeinde aufgebracht, da es Anfang der 70er Jahre keine landeskirchlichen Zuschüsse für Orgeln gab.

Die Gemeinde wird größer

Obwohl es in den 60er Jahren kaum möglich war, in der Gemeinde einen Bauplatz zu erwerben, wuchs doch die Gemeindegliederzahl, da immer mehr Menschen in den einzelnen Häusern wohnten.
Bald nach der Gemeindereform 1972 wurde in Ihlowerfehn ein Baugebiet ausgewiesen. An die ersten 20 Häuser schlossen sich weitere Neubaugebiete an. Auch in Ludwigsdorf wurden neue Häuser ge
baut. Neue Familien zogen in die Gemeinde. So stieg auch die Ge
meindegliederzahl an.
Folgende Zahlen aus den letzten 50 Jahren verdeutlichen das:

  • 1950    1498 Gemeindeglieder
  • 1960    1480 Gemeindeglieder
  • 1965    1611 Gemeindeglieder
  • 1970    1726 Gemeindeglieder
  • 1980    1830 Gemeindeglieder
  • 1990    2029 Gemeindeglieder
  • 2000    2290 Gemeindeglieder
  • 2002    2348 Gemeindeglieder

Jubiläen (eine Auswahl)

1976 feierte der Posaunenchor sein 50-jähriges Bestehen.

Aus den ersten Jahren gehörten dem Chor noch drei Bläser an. Der Festgottesdienst fand auf dem so genannten Kirchplatz im Ihlower Wald statt. Zur Teetafel traf man sich in der Hermann-TempelSchule. Auch das 70-jährige Bestehen des Chores wurde mit einem Festgottesdienst gefeiert.

1977 war das 75-jährige Kirchenjubiläum.

Im 1. Festgottesdienst predigte auf plattdeutsch Landessuperintendent i. R. Meyer. Im 2. Festgottesdienst predigten der frühere Pastor unserer Kirchengemeinde P.i.R. Bruns und Sup.i.R. Meyberg. Zu einer Teetafel in der Hermann-Tempel-Schule kamen zahlreiche Gemeindeglieder und viele Gäste zusammen.

Das 90-jährige Kirchenjubiläum

konnten wir am 9. Februar 1992 mit einem Festgottesdienst feiern, in dem Pastor Dettke, Leer, die Festpredigt hielt und ich in einer Festansprache einen Überblick über die Baugeschichte und die Entwicklung der Kirchengemeinde gab. Im Anschluss traf man sich zu einer Teetafel im neuen Gemeindehaus.

Das 40-jährige Bestehen des Gitarrenchores

wurde im Oktober 2000 mit einem großen musikalischen Festgottesdienst am Abend gefeiert. Der Chor - zusammen mit der Anfängergruppe - trat in einheitlicher Kleidung und mit einem roten Schal auf und erfreute die Festgemeinde mit einer großen Anzahl von Liedern. Im Anschluss fand eine große Teetafel im Gemeindehaus statt.

Pfingstgottesdienste im Ihlower Wald

Die Anregung kam von einem Kommunalpolitiker: Man könnte doch auch einmal einen gemeinsamen Gottesdienst feiern. - „Pfingsten bleibt die Kirche kalt, da gehn wir zum Gottesdienst in den Wald". 1974 fand der erste Pfingstgottesdienst im Wald statt. Als Platz wählten wir die Wegkreuzung Pfarrhausweg - Speckmannsweg. Derersten Gottesdienstgemeinde dienten ein paar Baumstämme als Sitzplätze. Von Anfang an wirkte der Posaunenchor mit. Er brachte am Morgen noch einen Anhänger voll Stühle mit. Was erst nur eine Veranstaltung der Ihlower Kirchengemeinde war, entwickelte sich rasch. Nach und nach beteiligten sich alle Kirchengemeinden der Kommunalgemeinde Ihlow, so dass der Platz den Namen Kirchplatz bekam. Die Gemeinde Ihlow errichtete eine zweistufige Tribüne für die mitwirkenden Chöre und sorgte für Holzbänke. Alljährlich richtet sie den Platz her. Zwei Posaunenchöre und ein Kirchenchor, sowie die Pastoren der Kirchengemeinden wirken jeweils mit. Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn am Pfingstmorgen je nach Witterung 500 bis 800 Menschen mit einem Waldgottesdienst den Geburtstag der Kirche feiern. Im Anschluss an den Gottesdienst lädt der Frauenkreis unserer Kirchengemeinde zu Tee und Kuchen ins Ihlower Gemeindehaus ein. Nur ein einziges Mal - im Jahr 2001 - mussten wir den Gottesdienst wegen Dauerregens in die Kirche verlegen. Seit einigen Jahren wird gleichzeitig ein Kindergottesdienst im Wald angeboten.

Christi Himmelfahrt am Bootshafen

Vom Festausschuss für die 200-Jahrfeier von Ihlowerfehn kam 1980
die Anregung, die örtlichen Vereine möchten doch in diesem Jahr ihre besonderen Veranstaltungen auf das Jubiläumsjahr abstimmen. Der Bootssportverein Ihlow nahm die Anregung auf und fragte, ob ich bereit sei, beim Hafenfest am Himmelfahrtstage einen plattdeutschen Gottesdienst zu halten. Der Kirchenvorstand stimmte zu. So wurde der Gottesdienst am Himmelfahrtstag an den Bootshafen verlegt. Von Anfang an kümmerten sich die Mitglieder des Bootsportvereins um gute Bedingungen für den Gottesdienst. In jedem Jahr wird ein Zelt aufgebaut, Stühle werden aufgestellt, die Lautsprecheranlage der Kirche installiert, Chöre eingeladen, ein geeigneter Platz als Kanzel ausgewählt, davor ein Brautpfad gelegt mit den Symbolen Anker, Kreuz und Herz für Glaube, Liebe und Hoffnung. Im Anschluss gibt es Tee und Kuchen und später Erbsensuppe aus der „Gulaschkanone".
Der plattdeutsche Gottesdienst am Himmelfahrtstag am Bootshafen in Ihlowerfehn zieht Jahr für Jahr viele Menschen an. Manche verbinden den Gottesdienstbesuch mit einem Ausflug. Mit dem Boot, dem Fahrrad oder dem Auto kommen auch viele Auswärtige zum Gottesdienst. Oft reichen die vier- bis fünfhundert Liederzettel nicht aus. In diesem Jahr fand dieser besondere plattdeutsche Gottesdienst zum 22. Male statt. Wegen meiner bevorstehenden Pensionierung ehrte mich der Bootsportverein, indem er mich zum „Hafenpastor" machte und zum Ehrenmitglied des Vereins ernannte.

Plattdeutsche Neujahrsgottesdienste

Neujahrsgottesdienste gehören nicht unbedingt zu den gut besuchten Gottesdiensten. In manchen Gemeinden findet am Neujahrstag kein Gottesdienst statt. Als 1980 nur 15 Besucher gekommen waren, hielt ich 1981 den Neujahrsgottesdienst auf plattdeutsch. Fast dreimal so viele Besucher kamen.
Aber für einen plattdeutschen Gottesdienst war das noch nicht viel. So verlegten wir 1986 den Beginn des Neujahrsgottesdienstes auf 18 Uhr. Jetzt hatten noch mehr Menschen Zeit. Seit 1989 singt auch der Kirchenchor im gut besuchten plattdeutschen Gottesdienst am Neujahrstag. Ebenfalls Tradition ist inzwischen das Zusammensein im Gemeindehaus im Anschluss bei Neujahrskuchen, Glühwein und alkoholfreiem Punsch. - Ein schöner besinnlicher Jahresbeginn!

Evangelisationen und Bibelwochen

Eine besondere Tradition haben Evangelisations- und Bibelwochen in der Kirchengemeinde. Die erste fand 1922 mit Pastor Dr. Traugott Hahn aus Reval, Estland, statt. Er muss eine beeindruckende Persönlichkeit gewesen sein, da ältere Gemeindeglieder mir noch von ihm erzählt haben.
Ich denke gerne an die Bibelwochen mit den ganz verschiedenen Rednern und Chören zurück. Es waren sowohl Gemeinschaftsprediger (H.-H.Oertzen, F. D. Busboom) als auch Missionare und Pastoren der Hermannsburger Mission (J. Bobka, J. Launhardt, H. Mehnert), und Pastoren unserer Kirche (Kirsch, Dettke). 1994 fand eine plattdeutsche Bibelwoche mit verschiedenen Rednern statt. Auch in den folgenden Jahren wurden zur Bibelwoche jeweils verschiedene Pastorinnen und Pastoren aus der näheren und weiteren Umgebung eingeladen. Diese Form findet guten Zuspruch in der Gemeinde. Im Anschluss treffen sich die Besucher und die Gäste im neuen Gemeindehaus zum Gespräch bei Tee und Kuchen.

Die Gründung des Kirchenchores.

Anfang 1988 wurde in der Kirchengemeinde ein Handzettel mit folgendem Text verteilt:


An alle Frauen und Männer, die Freude am Singen haben.
Ein Kirchenchor in Ihlow, das wär' doch was!
Mit Unterstützung der ländlichen Akademie ist es uns möglich, einen Kirchenchor ins Leben zu rufen. Möchten Sie mitmachen?
Dann kommen Sie doch bitte am Mittwoch, dem 20. Januar um 20 Uhr, in den Konfirmandensaal.
Dort erfahren Sie alles Weitere. Und singen wollen wir auch schon.
Lieselotte Dringenberg    Johannes Bunger, Pastor

Der Konfirmandensaal fasste die Interessierten kaum. Die Übungsabende wurden in die Hermann-Tempel-Schule verlegt. Frau Lieselotte Dringenberg verstand es, Begeisterung zu wecken. Bald gehörten über 40 Sängerinnen und Sänger zum Chor. Schon nach wenigen Wochen war der erste Auftritt des Chores im Gottesdienst.
Als Frau Dringenberg eine Arbeitsstelle in der Bibliothek der Großen Kirche in Emden bekam, gab sie die Leitung ab. Herr Schlemminger aus Aurich leitete jetzt den Chor.
Seit 1993 ist Frau Mena Euhausen Chorleiterin. Der Chor tritt regelmäßig im Gottesdienst auf und singt bei verschiedenen anderen Anlässen.

Das neue Gemeindehaus

Zu den wichtigsten Ereignissen der letzten 50 Jahre gehört für unsere Kirchengemeinde zweifellos der Bau des neuen Gemeindehauses. Wir hatten ja nur den einen Raum, den alten Konfirmandensaal. Dort trafen sich alle Gemeindegruppen. Es konnte schon geschehen, dass es in einer einzigen Woche 14 oder 15 Veranstaltungen waren. Und immer war der Raum zu klein. An größere Veranstaltungen oder mehr Aktivitäten war einfach nicht zu denken. Manchmal musste ins Esszimmer das Pfarrhauses ausgewichen werden und die Küche der Pastorenfamilie wurde viele Jahre lang als Teeküche genutzt. All das sollte nun ein Ende haben! Nach einem Besuch des KirchenkreisBauausschusses zusammen mit Vertretern des landeskirchlichen Amtes für Bau- und Kunstpflege, sowie des Dezernenten des landeskirchlichen Bauamtes gab es grünes Licht: Die Landeskirche sagte 250.000 DM zu, der Kirchenkreis, der bereits einige Mittel für Ihlow zurückgelegt hatte, musste noch einmal zulegen, Anträge auf ABMMittel wurden eingeplant, sowie 100.000 DM Eigenmittel der Kirchengemeinde. Nun konnte die Planung beginnen.
Der Kirchenvorstand überlegte, was ihm wichtig sei, und nannte dem landeskirchlichen Architekten Dipl.Ing. Wetzel, Hannover, zwei Punkte:

  1. Möglichst nahe an der Kirche, vielleicht sogar mit einer baulichen Anbindung.
  2. Die Räume müssen so angeordnet sein, dass gleichzeitig verschiedene      Gruppen im Gemeindehaus sein können, ohne sich zu stören.

Beides ist in idealer Weise verwirklicht worden.

Die Ausschreibungen liefen. Der Kirchenvorstand war erfreut, dass der Ihlowerfehner Bauunternehmer Jürgen Gerdes das günstigste Angebot für die Bauhauptarbeiten hatte. Im Frühjahr 1988 sollte
Baubeginn sein. Kleine Verzögerungen traten ein. Die Baugenehmigung ließ auf sich warten. Kritik von unbefugter Seite musste abgewehrt werden. Dann endlich, in der Woche nach Pfingsten, war Baubeginn.
Am 8. Juni 1988 versammelten sich viele Gemeindeglieder, unsere drei Chöre, Bauarbeiter, Bauunternehmer, Vertreter des kirchlichen Bauamtes, Kirchenvorstand und Pastor zur feierlichen Grundsteinlegung.
Zügig schritt der Bau voran. Nach einjähriger Bauzeit war alles fertig. Die Räume waren eingerichtet, die Tassen im Schrank, die Zuwegung gepflastert und Parkplätze angelegt, der Rasen angesät und blühende Rhododendren gepflanzt.
Am Abend des 27. Mai 1999 fand in der Kirche ein festlicher Gottesdienst mit Landessuperintendent Jürgens statt. Ich sprach Dankesworte an alle am Bau Beteiligten und an alle Helfer- und Helferinnen (der Frauenkreis hatte die Grundreinigung übernommen) und für alle Spenden und Sachgeschenke. Meine Worte schloss ich mit dem Wunsch: „Möge das neue Gemeindehaus ein Haus der ganzen Gemeinde sein, ein Haus der Gemeinschaft und des Segens." Anschließend fand vor dem Eingang die Schlüsselübergabe statt. Das war ein unvergesslicher Augenblick, als ich dann die Tür aufschloss zur Besichtigung der Räume und zur Teetafel für die Chöre, für alle am Bau Beteiligten und für die geladenen Gäste.
Nach dem Gottesdienst am Sonntag, dem 28. Mai, war die Gemeinde zur Besichtigung des Gemeindehauses und zu einer Teetafel eingeladen und am Nachmittag war wieder Gelegenheit zur Besichtigung. Viele aus der Gemeinde kamen, ebenso viele Auswärtige, mit der Gemeinde Verbundene und Interessierte. Alle wurden mit Tee und Kuchen bewirtet und der selbstgebackene Kuchen reichte für alle. Ich habe damals ausgerechnet, dass an beiden Tagen insgesamt über 1400 Tassen Tee ausgeschenkt wurden.

Inzwischen ist das Gemeindehaus fast 13 Jahre alt. Das Konzept hat sich bewährt. Das Gemeindehaus ist sowohl für große Veranstaltungen als auch für mehrere kleinere Gruppen gleichzeitig benutzbar. In den ersten Jahren kamen viele Kirchenvorstände und haben unser Gemeindehaus besichtigt. Immer wieder fragen auch auswärtige Gruppen an, ob sie bei uns tagen können. Ideal ist bei vielen Veranstaltungen die Anbindung an die Kirche. Man muss nicht „durch draußen", um in das andere Gebäude zu kommen.

Kaum war das Gemeindehaus fertig, da kamen auch schon Anfragen, ob wir nun auch Silberne und Goldene Konfirmation feiern könnten. Mitarbeiter boten ihren Einsatz an. Beide Jubiläen finden seitdem regelmäßig statt.
Frau Nadzeika regte einen Seniorenkreis an, in dem sie auch mitarbeiten würde. So gibt es seit Februar 1999 die Nachmittage für die älteren Gemeindeglieder.
Die Spiel- und Krabbelkreise hatten durch das Gemeindehaus endlich den alten Konfirmandensaal für sich allein. 1998 wurde der Gesprächskreis für jüngere Frauen ins Leben gerufen.
Kuffikreis und Jugendgruppen, die vorher oft im Pfarrhaus zusammen kamen, nutzen das Gemeindehaus.

Zeltevangelisation in Ihlow

Das hatte es noch nicht in Ihlow gegeben. Ein großes Kirchenzelt stand auf der Rasenfläche beim Rathaus in Ihlowerfehn. Lange und intensive Vorbereitungen waren vorausgegangen. Alle acht Ihlower Kirchengemeinden luden gemeinsam vom 8. bis zum 20. Juni 1990 zu ABENDEN UNTERM ZELTDACH. Sonderveranstaltungen fanden statt. Allabendlich füllte sich das Zelt mit Menschen aus den beteiligten Kirchengemeinden und darüber hinaus. Viele blieben noch auf eine Tasse Tee und zum Gespräch. Die beiden Prediger, Peter Knop und Reinhard Berggötz stellte die Deutsche Zeltmission. Das Besondere aber war das Erlebnis: So viele Menschen interessieren sich für die christliche Botschaft.
Aufgrund der guten Erfahrungen und weil auch immer wieder danach gefragt wurde, fand die zweite Zeltevangelisation neun Jahre später in der Zeit vom 31. Mai bis zum 13. Juni 1999 auf dem Platz beim Rathaus statt. Diesmal lautete das Thema SINNVOLL LEBEN - ABER WIE? Wieder waren die Abende, an denen auch Chöre mitwirkten, gut besucht, da das Zelt an kühlen Abenden beheizt war. Nach den Vorträgen warteten Tee und Kuchen auf die Besucher. Am Büchertisch wurde christliche Literatur zum Kauf angeboten. Sonderveranstaltungen wurden durchgeführt für Konfirmanden, Kinder, Frauen und für ältere Menschen. Am ersten und am letzten Tag fanden die Sonntagsgottesdienste im Zelt statt. Dabei predigten der lutherische Landessuperintendent Jürgens und der reformierte Landessuperintendent Herrenbrück. Ohne die vielen Mitarbeiter und fleißigen Helfer, die nicht alle namentlich genannt werden können, sind solche großen Veranstaltungen nicht durchführbar. Viele erinnern sich gerne an die Gemeinschaft, an das gemeinsame Arbeiten beim Auf- und Abbau des Zeltes, an die Mithilfe bei den Veranstaltungen und an den Segen, der von diesen Zelttagen ausging.

Erneuerung der Kirchturmspitze

Bereits im Jahr der Fertigstellung des Gemeindehauses stellte sich
heraus, dass die Kirchturmspitze so marode war, dass sie noch vor den Herbststürmen abgenommen werden musste. Das ganze Ausmaß der Schäden zeigte sich, als die Spitze von einem Autokran heruntergehievt und auf dem Rasen vor dem Gemeindehaus abgelegt war. Die gesamte Finanzierung der neuen Spitze (ca. 125.000 DM) übernahm die Landeskirche. Da ist so manche Kirchensteuermark zu uns zurückgekommen. Diesmal wurde für die Holzkonstruktion Eichenholz verwendet, gut für die nächsten hundert Jahre. Die Spitze wurde wieder mit Schiefer eingedeckt. Das sichtbare Holz erhielt einen wetterfesten weißen Anstrich. Zusammen mit der vergoldeten Kugel unterhalb des Kreuzes auf der Spitze ist das ein schönes Bild, besonders bei Sonnenschein und blauem Himmel. Als der Kirchturm offen war, hat der Kirchenvorstand noch einmal überlegt, ob nicht eine dritte Glocke angeschafft werden könne. Der Gedanke wurde verworfen als ein Fachmann einer Glockengießerei (!) davon abriet, da wegen des geringen Platzes im Turm dann anstelle der großen Glocke zwei kleinere kommen müssten: „Dann haben sie ein Gebimmel und kein Geläut mehr."

Kontakte zur Partnergemeinde Neundorf (Erzgebirge)

Seit der Zeit von Pastor Bruns bestanden zwischen einigen Familien der Kirchengemeinde Kontakte zu Familien in der Partnergemeinde Neundorf im Erzgebirge. Nach dem Fall der Mauer ließen es sich die Kirchenvorstände beider Gemeinden nicht nehmen, Kontakte aufzunehmen, sich gegenseitig zu besuchen und kennen zu lernen. Der erste Besuch fand im September 1990 statt. Mit einem Kleinbus fuhr das Ihlower Kirchenteam (Pastor, Kirchenvorsteher und Küsterin) nach Neundorf. Der Gegenbesuch fand im folgenden Jahr statt. Weitere Besuche folgten, bei denen die persönlichen Kontakte zwischen einzelnen Familien vertieft wurden. Der vorerst letzte Besuch fand im Jahre 2000 statt, als die Neundorfer Kirche ihren 100. Geburtstag feierte.

Der Bau der Leichenhalle

Anfang der 70er Jahre waren bei Sterbefällen die Hausaufbahrungen noch die Regel. Am Beerdigungstag fand eine kurze Andacht im Trauerhause statt. Danach war zuerst die Beisetzung auf dem Friedhof und anschließend die Trauerfeier in der Kirche. Seit Ende 1973 wurde der Sarg zur Trauerfeier in der Kirche aufgebahrt.
Als Bestatter nahmen die meisten Familien die Dienste von Wilhelm Harms, Aurich-Egels, in Anspruch. Als dieser Aufbahrungsräume und einen Raum für Andachten zur Einsargung errichtete, bestand kein dringender Bedarf für eine Leichenhalle. Gelegentlich fanden auchAufbahrungen in Simonswolde und Westerende statt, wo (wie in Riepe) Leichenhallen zur Verfügung standen. Im Laufe der Jahre wurde dann der Wunsch nach einer eigenen Leichenhalle dringender. Bei allen Planungen und Gesprächen über die Standortfrage konnte der Kirchenvorstand zu keiner Zeit einem Standort zustimmen, bei dem vorhandene Grabflächen wegfallen würden.
Bei der Kommunalwahl 1991 war in einer Wählerinformation der SPD, Mehrheitsfraktion im Ihlower Rathaus, die geplante Leichenhalle auf dem Keilgrundstück ausgewiesen.
Eine Änderung des Bebauungsplanes vom Herbst 1991 sah eine Verschwenkung des 1. Kompanieweges vor und als Standort die jetzige Straße.
1993 wurde dem Kirchenvorstand verbindlich zugesagt, dass in 1994 mit dem Bau einer Leichenhalle auf dem Keilgründstück begonnen werden könne.
Das Landeskirchenamt stimmte diesem Plan zu.
Zwischenzeitlich kam von Seiten des damaligen Gemeindedirektors (und einiger Bürger) der Plan für einen Waldfriedhof, der dann aus Wasserschutzgründen abgelehnt wurde und von dessen Planung nur eine sogenannte Waldkapelle übrig blieb.
Von all dem berichtete die Presse ausführlich. Als dann am 23. März 1995 die Meldung „Waldkapelle gestorben" kam, stand der Errichtung einer Friedhofskapelle mit Aufbahrungsräumen auf dem Keilgrundstück kaum noch etwas im Wege. Seit November 1996 wird die sich sehr schön in das Ortsbild einfügende Kapelle genutzt. Die Gemeinde ist Eigentümerin der Kapelle, die inzwischen von allen akzeptiert worden ist - ein würdiger Ort für die Aufbahrung der Verstorbenen und für Andachten bei Einsargungen.

Der Gemeindebrief

„Gemeindebriefe gehören zu den am meisten gelesenen Periodika" (= regelmäßig erscheinende Drucksachen). Dieser Anspruch verpflichtet und ist zugleich Ansporn. Einige Gemeinden gaben schon Gemeindebriefe heraus. Ich habe alle gesammelt und mir dabei ein Konzept entwickelt. Im August 1977 erschien die erste Ausgabe. Noch musste alles mit einer einfachen Schreibmaschine getippt werden. Die Überschriften wurden von Hand geschrieben, einige Bildchen lockerten den Text auf. Die erste Ausgabe ging per Post an alle Haushalte. Für die 2. Ausgabe hatten sich schon genug Helferinnen und Helfer gemeldet, die ehrenamtlich in ihrem Bereich die Verteilung des Gemeindebriefes übernahmen. „Der Gemeindebrief soll eine Art Verbindungsglied sein zwischen der Einrichtung Kirche und denen, die dazu gehören" hatte ich in der ersten Ausgabe geschrieben. Genau 122 Gemeindebriefe durfte ich im Laufe der Jahre - anfangs allein, später mit Unterstützung von Ulrich Breiter - herausgeben. Wer alle Ausgaben gesammelt hat, dem steht ein lebendiges Zeugnis des Gemeindelebens - eine Art Chronik der Kirchengemeinde - zur Verfügung.

Der Kirchenvorstand

"Ohne Kirchenvorstand keine Kirchengemeinde und keine Kirchen
gemeinde ohne Kirchenvorstand", so könnte man sagen. Die Ihlower Kirchenvorstände zeichneten sich dadurch aus, dass viele ihr Amt über mehrere Amtsperioden ausübten. Ich denke an all das, war wir neben den Verwaltungs- und Haushalts-, Bau- und Friedhofsangelegenheiten besprochen und beraten haben. Aber auch Beschlüsse wurden gefasst, wie etwa die Verwendung von Traubensaft beim Abendmahl oder die Form der Austeilung, dass nämlich die Oblate in den Kelch getaucht wird. Bei den Sitzungen wurden mir die Namen von Schwerkranken genannt, da wurde Anteil genommen an der Gemeindearbeit, da wurden Veranstaltungen geplant und Aufgaben übernommen. Aber wir kamen auch so zusammen oder organisierten schon mal ein Grillfest für die Mitarbeiter.

Hilfsbereitschaft und Nachbarschaftshilfe

Wenn vom kirchlichen Leben berichtet wird, muss auch die
Hilfsbereitschaft und Nachbarschaftshilfe unserer Gemeindeglieder erwähnt werden. Nachbarschaftshilfe bei Trauerfällen, bei Hausbauten und in Krankheitsfällen ist wohl auf allen Fehnen geübt worden. Sie geschah meist aus der Kenntnis der Not heraus. Man war eben aufeinander angewiesen.
Beim Lesen in der Chronik der Kirchengemeinde ist immer wieder von der Hilfsbereitschaft der Menschen die Rede. Sie geschah im ersten und zweiten Weltkrieg, indem jenen Familien geholfen wurde, aus denen die Männer eingezogen wurden. Sie geschah, als der Arbeiterverein die Bauplätze für einen ganz geringen Preis abgab, um die Voraussetzung für ein eigenes Haus für mittellose Menschen zu schaffen. Sie geschah, als 1932 bei einer einzigen Sammlung ein ganzer Waggon Kartoffeln für bedürftige Menschen in einer Gemeinde in Duisburg-Hamborn zusammenkam, in der Pastor Onnens Schwager als Pastor tätig war. Sie geschah, als es galt, für die Vertriebenen aus dem Osten zu sorgen. Sie zeigt sich, wenn viele Gemeindeglieder mithelfen bei der Zeltmission, bei Arbeitseinsätzen auf dem Friedhof und bei der Kirche. Sie zeigt sich, wenn in der Kirchengemeinde immer noch Nachbarn die Träger sind bei Beerdigungen und die Nachbarinnen die Teetafeln vorbereiten und die Bedienung übernehmen.
Hilfe geschieht oft im Verborgenen. Oft wird aber auch einfach übersehen, dass ein Mensch in der Nachbarschaft Hilfe oder Zeit benötigt, einfach nur einen Menschen, der zuhört und darüber schweigt. Hilfsbereitschaft, Nachbarschaftshilfe, Zeit für den Mitmenschen - das alles entspricht doch dem Gebot der Nächstenliebe, das zu erfüllen Jesus Christus von uns erwartet.

Abschied von ihlow

Weil die Kirche es ermöglicht, bin ich im letzten Jahr aus gesundheitlichen Gründen mit 60 Jahren in den Ruhestand getreten. Dabei war es mir wichtig, meine dreißig Jahre Dienstzeit in Ihlow vollzählig zu machen.
Eine große Überraschung war es, als mich am 1. September 2001 vormittags der Posaunenchor und der Kirchenvorstand mit einem Ständchen überraschten (meine Frau war eingeweiht) und uns als Geschenk eine Sitzgruppe für die Terrasse unseres Hauses in Hesel mitbrachten.
Der Abschiedsgottesdienst am 2. September hat meine Familie und mich tief bewegt. Dankbar denken wir an alle Worte und Gesten und danken an dieser Stelle noch einmal für alle Aufmerksamkeiten.

Schlusswort

Beim Schreiben dieses Berichtes und beim Lesen in den Akten, den Kirchenbüchern, Protokollen und Gemeindebriefen fielen mir immer wieder Punkte ein, über die ich hier auch noch hätte schreiben können und vielleicht auch müssen. Ich kann und muss mich hier aber beschränken, um nicht den Rahmen dieses Heftes zu sprengen.
Wenn ich zurückblicke, denke ich vor allem auch an die Menschen, denen ich begegnet bin. Manche Originale waren darunter. Ich will nur einen nennen: Conrad Freudenberg. Als Rentner übernahm er die Pflege des Friedhofs und der Außenanlagen bei der Kirche. Manches Gespräch führte ich mit ihm. Er war mir ein großväterlicher Freund.
Skeptiker und Kritiker gab es auch.
Und Menschen, von denen ich weiß, dass sie meine Arbeit im Gebet begleitet und getragen haben. Dafür bin ich dankbar.
Ich denke an die vielen Gespräche bei Besuchen, vor Taufen, an Geburtstagen, bei Kranken, in Trauerfamilien oder einfach nur so zwischendurch (wofür leider selten Zeit war).
Ich denke an Gespräche im Gemeindehaus, auf dem Friedhof, an der Haustür oder wenn Menschen zu mir kamen zum Traugespräch, um eine Bescheinigung zu holen oder einfach mit dem Pastor etwas besprechen wollten.


Ich denke an Menschen aus unserer Kirchengemeinde und auch aus den Nachbargemeinden.

In meiner Abschiedspredigt sagte ich:

  • Wir sind dreißig Jahre gemeinsam unterwegs gewesen auf den Wegen unseres Lebens und auf dem Weg des Glaubens.


Ich schließe mit dem Wunsch, dass auch im 2. Jahrhundert ihres Bestehens Segen von der Ihlower Kirche ausgehen möge.


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